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Resumée einer Woche in der Stille oder: dem Teebeutel beim Ziehen zusehen

By |März 31st, 2018|

Im März habe ich zum ersten Mal an einem einwöchigen Schweige-Retreat teilgenommen. Schon lange wollte ich mir eine stille Auszeit gönnen: mehrere Tage eine Pause davon, ständig vernetzt zu sein, im wahrsten Sinn, Teil eines Netzes zu sein. Dieses Herauslösen aus dem Alltag, um sich sich selbst uneingeschränkt zuzuwenden, hat mich sehr angezogen.

So hat es sich gut ergeben, dass die Ausbildung zur Achtsamkeitslehrerin eine solche Schweigewoche vorsieht. In diesem Fall war es das Retreat „Präsenz verkörpern: Yoga und körperbasierte Meditation“ mit Anne Cushman, die in diesem Bereich als Pionierin gilt. Angereist aus den USA, wurde sie von Lisa Baumann begleitet, die die Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche übernommen hat (auf eine ganz wunderbare, sehr geschliffene Art und Weise, die mich sehr beeindruckt hat!).

Dem Retreat war eine sehr stressige Zeit vorausgegangen, und auch an dem Tag, an dem das Retreat begonnen hat, war ein Vorbereiten auf die Stille nicht möglich; als Höhepunkt ging mittags noch die Batterie meines Autos kaputt, so dass ich recht abgehetzt auf Gut Helmeringen eingetroffen bin.

In der Vorstellungsrunde am Abend zeigte sich, dass es den meisten Teilnehmerinnen an diesem Tag ähnlich gegangen war: ich war nicht die Einzige, die sich nach Ruhe, nach Stille, nach Insichzurückziehen sehnte. Und so war es eine Genugtuung, als wir das Sprechen einstellten und in die Stille gingen.

Das Programm des ersten Tages begann mit Sitzmeditation um 07:30 Uhr, gefolgt von Gehmeditation und anschließendem Frühstück. Es schien, als ob sich Geist und Körper durch gesteigerte Aktivität mit den neuen Gegebenheiten anfreundeten: ich konnte nicht so still sitzen, wie ich es gerne gehabt hätte, und auch die Gedanken waren noch dominanter als am Vortag. Okay, einatmen, ausatmen, den Atmen bewusst bis in das Becken spüren, sich verankern im Körper.

In der Mittagspause war ich hundemüde: ich habe zwei Stunden geschlafen. Irritiert, wie müde man vom Nichtstun sein kann, machte mir das bewusst, dass man doch sehr wohl aktiv ist, aber auf anderer Ebene: die Innenwelt arbeitete ganz intensiv und stellte sich auf die Stille ein. In der Nachmittags-Session wurden die Gedanken weniger, mein Atem schien mich immer mehr nach Innen zu tragen.

Am zweiten Tag war ich angekommen. Ich kannte den Ablauf und schätzte die zeitlichen Freiräume zwischen den Sessions. Ich begann, die Mittagszeit im Meditationsraum zu verbringen und zu schreiben. Die Verbindung von Stille mit dem leicht kratzenden Geräusch des Stifts auf dem Papier, mit der farbigen Tinte, die Buchstaben auf das Papier malte: Kommunikation mit einem inneren Teil von mir, der den Raum nutzte; den Raum ohne klingelndes Handy, ohne den Impuls, auf irgendetwas im Außen zu reagieren, ohne Ansprache, ohne Interaktion. Kein Zerren. Nur ich.

Am dritten Tag habe ich die Zeit fließen lassen. Die innere Uhr hatte den Ablauf soweit verinnerlicht, dass Momente nicht in Sekunden, Minuten und Stunden gemessen wurden, sondern im jetzigen Atemzug – dieser Moment. Ich war nicht mehr auf den Weg irgendwohin, sondern ich war einfach da. Angekommen.

Während der Mittagspause, nach dem Schreiben, bin ich in den Speisesaal gegangen und habe mich an die große Fensterfront gesetzt, von der aus man nach draußen in die Natur schauen konnte. Ich habe mir eine Tasse Tee gemacht und dem Teebeutel dabei zugesehen, wie er zieht; Fencheltee. Die leicht gelblichen Schwaden, die nach und nach in das umliegende Wasser waderten. Die Fenchelkerne, die mich an Kümmel erinnerten, nur heller. Der Duft. Wie die Schwaden dunkler wurden, wenn ich den Teebeutel bewegte. Der leichte Widerstand, wenn ich am Faden des Teebeutels zog.

Ich hatte noch nie einem Teebeutel beim Ziehen zugesehen und wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, das zu tun; zu wertvoll ist die Zeit im Alltag, um einen Teebeutel zu beobachten. Und doch war das der Moment, in dem ich das Gefühl hatte, mit allem voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein. Ich schmunzle, wie etwas so Einfaches dieses tiefe Gefühl des Ankommens bewirken kann.

Schön war die Verbindung von Stillemeditation und achtsamem Yoga. In den folgenden Tagen zeigte sich die Erfahrung der umfangreichen Yogastunden immer mehr in meinem Körper: am Montag wachte ich morgens auf und konnte den Raum zwischen meinen Schulterblättern spüren. Nicht, weil die Stelle wehtat oder ich sie aktiv berührte, sondern ich spürte das Leben darin. Am Dienstag wachte ich auf und konnte die Gelenke meiner Zehen spüren.

Immer intensiver wurde das Bewusstsein für den eigenen Körper, auch außerhalb der aktiven Stunden. Ich spürte Stellen, von denen ich wusste, dass sie da waren, die ich aber noch nie wirklich gespürt hatte. Und das machte mich neugierig: ich fragte mich, was da noch so alles sein mag, dem ich keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Neue Wege, neue Gedanken entstanden.

Zwischen Meditation, Yoga und Schreiben habe ich die Stille immer mehr genossen. Es war ein Sichtreibenlassen, die einzelnen Momente waren beinahe greifbar, so intensiv fühlten sie sich an. Es waren keine großen Dinge, die dieses Lebendigsein ausdrückten: es war die Bewusstheit, wie sich der Fuss bei Gehmeditation bewegt: wann er vom Boden abhebt, wie sich der ganze Fuß wölbt, wieder auf dem Boden ankommt. Das Getragenwerden. Das sicher Stehen. Wenn die Gedanken abgeschweift sind, habe ich die Ruhe mit einem Blick zum Himmel, einem Blick zur Erde wiedergefunden. Das funktioniert nach wie vor.

Der Übergang in den Alltag? Ich habe bewusster gesprochen, weil ich meine Stimme wirklich in meinem Körper habe schwingen spüren. Die Worte bewusster gewählt. Erst gespürt, bevor ich etwas in Worte gekleidet habe, manchmal auch einfach die Klappe gehalten (die Formulierung trifft es einfach zu genau, um es umzuformulieren).

Hält es an? Anne Cushman hat während des Retreats gesagt, dass wir danach früher oder später wieder vollkommen in unserem Leben ankommen würden und wir würden uns fragen, wohin die innere Ruhe des Retreats verschwunden ist. Und dann würde es Momente geben, in denen sie ganz bewusst da ist, ganz intensiv, einfach so.

Das hat sich bewahrheitet. Ein Retreat ist eine ganz wunderbare, wohltuende Ausnahmesituation – die es im richtigen Leben in dieser Form nicht gibt. Was ich mit in den Alltag genommen habe, ist ein innerer Raum der Ruhe, der sich immer dann öffnet, wenn ich ihn brauche – in den ich hineinatmen kann und der mich aufnimmt. Und es wird immer Momente geben, in denen die Verbindung mit allem anderen so weit geht, dass ich an meine Grenzen komme – halte ich inne, atme tief in diesen Raum hinein, lächle, spüre meine Fußsohlen, blicke zum Himmel und zur Erde, und setze meinen Weg fort. Präsenz, meinen Körper bewegend, in dem mein Geist ruht.

Ich denke, ein Retreat ist nicht für jeden etwas. Mich hat es förmlich angezogen und mir hat es sehr gut getan. Bewusst sollte man sich darüber sein, dass der Übergang von Retreat zurück in die normale Welt aktiv gestaltet werden will und nicht einfach so „passiert“. Die Offenheit des Retreats, der Woche, in der man nur sich selbst zugewandt ist, ist im regulären Alltag nicht uneingeschränkt hilfreich. Entscheide Dich bewusst, Deinen Schutz wieder so herzustellen, wie Dein Alltag ihn erfordert. Mir haben entsprechende bildliche Meditationen geholfen, mich sicher wieder im Alltag einzufinden. Der geschütze Raum des Retreats lässt sich nicht 1:1 übertragen.

Resumée? Das Retreat war ein Geschenk. Ich freue mich, dass Anne Cushman nächstes Jahr wieder nach Deutschland kommen und ein ähnliches Retreat anleiten wird. Ich bin ganz sicher wieder dabei.